Proef Eet – so schmeckt Enschede!

Kulinarische Reise um die Welt

Es heißt ja, Liebe ginge durch den Magen. Und auch die Liebe zu einem Land gedeiht wohl am besten bei einem tiefen Blick in die lokalen Kochtöpfe. Wieso also sollte es sich mit einer Stadt anders verhalten? Das haben sich vielleicht auch die Macher von Proef Eet Enschede gedacht, als sie vor über 30 Jahren zum allerersten Mal das innovative Foodfestival für die pulsierende, multikulturelle Stadt in der Twente organisierten. Proef Eet ist eine kulinarische Reise um die Welt. Doch gekocht wird lokal!

Das Innere nach aussen kehren

Seit unfassbaren 34 Jahren verwandelt sich das Zentrum der Stadt am ersten Wochenende im September in eine kilometerlange kulinarische Tafel. Geselligkeit ist das Credo. Der Spätsommer verspricht meist milde Temperaturen. Und auch mit dem Regen steht man sich hier ganz gut: er stört das Festival selten. Von Freitagabend bis in den späten Sonntag hinein gruppieren sich dann Essensstände unterschiedlichster Größe und Couleur auf und um den Alten Markt. Nur ihre Provenienz ist immer gleich: Alle Küchen und Köche stammen aus Enschede. Ein, zwei Ausnahmen gibt es immer. Das ist erlaubt. Doch Proef Eet, das heißt „Enschede schmecken“.

Impressionen Proef Eet Enschede

© Jutta Ingala - 6 Grad Ost
© Jutta Ingala - 6 Grad Ost
© Jutta Ingala - 6 Grad Ost
© Jutta Ingala - 6 Grad Ost

Und dafür legen sich die Akteure mächtig ins Zeug: Sie schwenken buntes Gemüse in gusseisernen Pfannen, braten saftige Steaks und Burger an offenen Feuerstellen oder bauen schwindelerregend hohe Türmchen aus sündig-süßen Kuchen. An einem Spieß dreht sich ein krosses Spanferkel unter den Augen hungriger Flaneure und gleich nebenan gibt es Frietjes ganz stilecht im „Puntzak“, der praktischen Spitztüte, die einst mit wenigen Handgriffen aus Zeitungspapier gefaltet wurde. Natürlich sind die frittierten Kartoffelstäbchen hier ganz solide und aus der echten Knolle geschnippelt. Dazu eine

hausgemachte Mayonnaise mit Kräutern, die dem Festival des guten Geschmacks alle Ehre macht. Tropisch geht es ein Stück weiter zu, wo gegrillte Ananas mit Karamell verfeinert und Krustentiere zuerst in einer Sauce aus Chili und Cheddar geschwenkt werden, bevor sie für ein paar „Duyten“ den Besitzer wechseln. Birnen-Lasagne oder ein vegetarisches Ragout aus Waldpilzen, mit Whisky und Honig verfeinerte Hähnchen-Speck-Spieße, kreolisches Estofado oder vegane Snacks: keine Geschmacksknospe, die hier nicht gekitzelt würde!

Die Sache mit den „Duyten“

Das Publikum, das plaudernd und probierend über die Plätze und durch die Sträßchen spaziert, hat sich „aufgehübscht“. Der legere Schick, der hier tonangebend ist, passt zum Ambiente. Es herrscht gute Festivalstimmung. Live-Musik geht ins Ohr und manchem ins Bein. Ein paar Altrocker singen so leidenschaftlich ins Mikro als sei es ihr allererster Gig. Und der Brass Band begegnen Besucher immer wieder, denn sie bewegt sich im Takt der eigenen Melodien durch die Straßen: mit Strohhut, Brokat-Weste und einem Augenzwinkern treiben die Herren gute Laune vor sich her.
Auch die Gäste lassen sich treiben: von Stand zu Stand nämlich, wo man kleine Portionen des jeweiligen Angebots probieren kann. Möglichst viele, möglichst unterschiedliche, denn beim Proef Eet geht es um die kulinarische Vielfalt. Bezahlt wird mit „Duyten“. Einem, zweien oder mehr. Ganz unkompliziert in runden Summen. Da muss niemand lange rechnen und erst recht nicht warten. Bares wird praktischerweise an zentralen Punkten in die geldwerten Taler getauscht. Am besten tauscht man reichlich, damit niemand beim größten Hunger – oder Durst – nicht wie einst im Mittelalter bekennen muss: „Ik heb geen duyten.“ – „Ich habe kein Geld (mehr).“ Wer jedoch Duyten übrig behält, kann sie einfach wieder zurücktauschen. Eigentlich ist das tolle Angebot hier aber viel zu schade, um nicht bis zur letzten Stunde ausgenutzt zu werden. Schließlich verwandeln sich die Straßen bei Dunkelheit auch in eine wunderschön beleuchtete Szenerie.

Ein Bier zum Festival

A propos Durst: den stillt man gern mit Wasser. Doch für den Genuss bietet das Festival raffinierte Cocktails, vornehme Weine und ganz rustikale Biersorten. Für den guten Geschmack – und der Umwelt zuliebe – im Glas. Der Umwelt zuliebe haben die Organisatoren auch einen „Duurzaamheidsplein“ – einen Platz der Nachhaltigkeit – mit anschaulichen und wertvollen Informationen zum Thema eingerichtet. Und weil Enschede heute „Grolsch“-Stadt ist – auch wenn die Geschicke und Geschichte der weltberühmten Bierbrauerei über 400 Jahre lang im nahen Groenlo spielten – gibt es auf dem Festival-Terrain einen kleinen Platz, der ganz dem Gerstensaft gewidmet ist: der Jacobusplein. Hier schenken kleine, handwerkliche Brauereien ihre leckeren Kreationen Seite an Seite aus. Die Stände sind dicht umlagert. Natürlich ist auch Grolsch dabei und lanciert extra zum 34. Proef Eet ein neues Bier: das „Volle Dubbel“. Proost!

Proef Eet ist eine kulinarische Reise um die Welt

Jutta Ingala